Strompreisentwicklung in Deutschland

Noch 1998 betrachteten Optimisten die Liberalisierung des Elektrizitätsmarktes als Segen für die Strompreisentwicklung in Deutschland. Durch mehr Wettbewerb versprach man sich, ähnlich wie im Falle der Liberalisierung der Telekommunikationsbranche, sinkende Strompreise für die Verbraucher. Doch über ein Jahrzehnt später erweist sich diese Einschätzung als Trugschluss.

Nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zahlte 1998 ein Drei-Personen-Haushalt mit einem Durchschnittsverbrauch von 3500 Kilowattstunden pro Jahr rund17 Cent pro Kilowattstunde. Aktuell zahlen Privathaushalte durchschnittlich mehr als 25 Cent pro Kilowattstunde. Das entspricht nach Berechnungen des BDEW einem Preisanstieg von 50 Prozent. Branchenkreise erwarten im Hinblick auf die Strompreisentwicklung in Deutschland auch in den kommenden Jahren durch die EEG-Umlage und weitere Kostenfaktoren, wie beispielsweise den Anstieg der Netzentgelte, eine deutliche Erhöhung. Verbraucherzentralen und -verbände raten Stromkunden deshalb, in regelmäßigen Abständen Ihre Ausgaben für Strom zu überprüfen und gegebenenfalls einen Wechsel zu einem günstigeren Stromanbieter in Erwägung zu ziehen.

Strompreise in Deutschland im europäischen Vergleich sehr hoch

Die Strompreisentwicklung in Deutschland verzeichnet seit mehr als zehn Jahren – mit Ausnahme einer kurzen Phase des Preisrückgangs im Jahr 1999 – einen deutlichen Aufwärtstrend. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) in Auftrag gegebene Studie. Darüber hinaus kommen die Verfasser der Studie im Rahmen ihrer Auswertung der von der europäischen Statistikbehörde Eurostat ermittelten Strompreise in Europa zu dem Ergebnis: Die Endkundenpreise in Deutschland liegen deutlich über dem Preisniveau der meisten EU-Staaten. Als Gründe für die im internationalen Vergleich hohen Strompreise in Deutschland nennen die Autoren die Steuern und Abgaben in Form der Stromsteuer, Mehrkosten durch die Umlage zur Förderung der Erneuerbaren Energien (EEG-Umlage) sowie die im europäischen Ausland nicht übliche Konzessionsabgabe.

Prognose für die Strompreisentwicklung in der Zukunft

Der Anstieg der Strompreise ist nach Einschätzung der Verbraucherschützer dank des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und der damit zusammenhängenden EEG-Umlage unvermeidlich.

So prognostiziert die Bundesnetzagentur für das nächste Jahr aufgrund der Umlage nach dem EEG einen Anstieg auf 5,27 Cent pro Kilowattstunde. Diesen Wert bezahlen zwar zunächst die Stromunternehmen. Allerdings gehen Verbraucherverbände davon aus, dass die Kosten über kurz oder lang an die Stromkunden weitergegeben werden. Aktuell sagen Branchenkreise eine Strompreisentwicklung in Deutschland voraus, welche das Budget der Privathaushalte über einen längeren Zeitraum belasten wird. Die EU-Kommission geht in einer Prognose laut übereinstimmenden Medienberichten europaweit von einer steigenden Strompreisentwicklung bis ins Jahr 2020 aus. Der dauerhafte Preisanstieg sei nach Ansicht der Kommission nicht zu vermeiden, da der Kohlendioxid-Ausstoß bis 2050 um 80 Prozent gesenkt werden solle. Um diese Zielmarke zu erreichen, seien umfassende Investitionen in die Infrastruktur nötig. Die notwendigen Mittel sollen vor allem in die regenerative Stromerzeugung und den Ausbau der Stromnetze fließen. Die Strompreisentwicklung in Deutschland wird daher weiterhin dem Aufwärtstrend unterworfen sein.